FREIE HANSESTADT BREMEN
Offener Kindergarten
Am Nonnenberg 38
28239 Bremen

I try to teach my child with books
he gave me only puzzles looks.
I try to teach my child with words
they passed him by, often unheard.
Dispairingly i turned aside
"How shall I teach this child?" I cried
Into my hand he put the key
"Come" he said "play with me"

New Orleans Kindermuseum

  1. Vorwort

  2. Veränderte Kindheit und Konsequenzen für das pädagogische Handeln

  3. Das Kindertagesheim im Ortsteil Oslebshausen

  4. Erziehungsverständnis und unsere Aufgaben

  5. Die praktische Umsetzung
    1. Die Organisation
    2. Der Tagesablauf
    3. Unsere Besprechungen und Entscheidungsprozesse
    4. Elternkontakte und Perspektiven
  6. Ausblicke

  7. Chronologie

 

I. Vorwort

Das Kindertagesheim Am Nonnenberg 38 wird 40 Jahre alt und befindet sich in kommunaler Trägerschaft. Das Haus wurde gebaut für ca. 100 Kinder und wir betreuen seit 10 Jahren 105-120 Kinder je nach den Bedarfen im Stadtteil. Zur Zeit spielen, lernen, forschen und leben 110 Kinder in 7 Gruppen. 17 Frauen, Erzieherinnen, Köchin, Raumpflegerinnen und Praktikantinnen verbringen mit den Kindern den Tag von 7.00 Uhr bis 16.30 Uhr.

Ausgangslage dieser Konzeption war an erster Stelle die zentrale Einführung der altersgemischten Gruppenarbeit.
An zweiter Stelle, der daraus entstandene Druck auf die Erzieherinnen für Alles und Jeden zuständig zu sein. Der Förderaspekt spielte in unserer Ausbildung eine übergeordnete Rolle. Dieses führte bei einem großen Teil unserer Erzieherinnen dazu, daß sie über Veränderungen in der Arbeit nachdachten.

An dritter Stelle stand das Argument, daß in den letzten Jahren immer mehr „andere Kinder“ zu uns kamen. Damit meinen wir, daß es in der Bevölkerung immer mehr Alleinerziehende gab und gibt. Verschiedene Kulturen lernen wir durch unsere ausländischen Mitbürger kennen und diese verändern auch unser Zusammenleben. Außerdem nehmen die Medien einen großen Teil des täglichen Tuns ein. All diese Gründe haben Wirkungen auf unsere Kinder denen wir begegnen wollten.

An vierter Stelle stand die Isolation der Gruppenleiterinnen innerhalb der alten Strukturen eines Kindergartens. Kooperation und Gespräche fanden fast nur an festen Zeiten statt.
Diese Gründe und ein Vortrag von Axel Wieland im September 1993 waren Anlaß für den Neubeginn im Kindertagesheim Am Nonnenberg. Wir machten uns auf den Weg einen offenen Kindergarten zu gestalten. Dieser Weg dauert bis jetzt fünf Jahre und wir haben noch keinen Stillstand erreicht. Ich will damit beschreiben, daß dieser Weg für alle Kolleginnen ständige Bereitschaft und Offenheit bedeutet, Interesse voraussetzt, alle Sinne anspricht und ein ungeheures Maß an Engagement fordert und ich an dieser Stelle allen Mitarbeiterinnen meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen möchte für diesen Schritt in neue Welten, in Kinderwelten.

 

II. Veränderte Kindheit und Konsequenzen für das pädagogische Handeln

Die Bedarfe und Bedürfnisse von Kindern sind unverändert. Es gibt einen Bedarf an Pflege, Verpflegung und Schutz.und es gibt ein Bedürfnis bei den Kindern nach Spiel, Lernen, Entwicklungsherausforderungen, Forschen und Zuwendung.
Verändert hat sich die Vielfältigkeit der Lebenssituationen von Kindern und ihren Familien und ihr Platz im gesellschaftlichen Leben. Diese Vielfalt der Lebenssituationen kann im Kindergarten zum Problem werden, wenn wir uns nicht auf die neuen Kinder einstellen wollen und können. Hinzu kommt eine immer größere Trennung der Kinder von der Erwachsenenwelt. Beispielhaft ist hier auf die nur erwachsenenorientierte Architektur hingewiesen. In unserer Gesellschaft vollziehen sich ständig die Lebensbedingungen die auf Kinder Einfluß haben. Der Kindergarten ist deshalb längst nicht nur familienergänzende Betreuungseinrichtung, sondern er muß zunehmend mehr Spielraum und damit Entwicklungsraum bereithalten. Dieser ist durch beengten Wohnraum, Fernseh- und Videokonsum, stark verplante Zeit, wenig naturbelassene Plätze für bewegungsreiches Spiel, Einschränkungen durch zunehmende Technisierung gefährdet oder schon verlorengegangen1.
Die Wunschvorstellungen der Eltern sind aufgrund von Besorgnis gerade deshalb so formuliert, daß sie ihren Kindern vieles mit auf den Weg ins Leben geben wollen. Auf die Schule vorbereiten, viele Sport und Musikangebote wahrnehmen e.t.c.. Ein gewaltiger Druck entsteht auf Kinder und Eltern. Daß aber für die Kinder die Grundlagen für die Zukunft das Spiel sind, gerät leicht in Vergessenheit.
Das Spiel gehört zu einer wesentlichen Phase der kindlichen Entwicklung und ist darum im Kindergarten von besonderer Bedeutung. Das Spiel ist eine zweckfreie und selbstgewollte Betätigung,die Freude, Spaßund Befriedigung gibt. Für ein Kind ist Spielen eine ernsthafte Tätigkeit.
Im Spiel versucht das Kind, seine Umwelt zu verarbeiten und zu gestalten. Dabei entwickelt es sich mit seiner gesamten Persönlichkeit. Durch ausdauerndes freies Spiel erwirbt ein Kind Fähigkeiten, die Grundlagen zur Lebensbewältigung und speziell für das schulische Lernen bilden, wie Interesse, Durchhaltevermögen, Anstrengungsbereitschaft und Lernbereitschaft. Diese Fähigkeiten sind wichtig, um neuen und unbekannten Anforderungen selbstsicher gewachsen zu sein.
Weil so vielfältige Fähigkeiten entwickelt werden,sehen wir das Spiel nicht als eine Alternative zum Lernen, sondern als eine Möglichkeit des Lernens (ein Kind, das spielt, lernt ).
Lernfähigkeit setzt Spielfähigkeit voraus, darum müssen wir gute Voraussetzungen schaffen, um die Entwicklung zu begünstigen. Die wichtigsten Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes, phantasievolles, bewegungsaktives Spiel sind Freiheit (selbstbestimmt ) und Zeit (ungestört und intensiv).
Darum ist das Freispiel der Schwerpunkt unserer pädagogischen Arbeit und nimmt in unserem Tagesablauf den größten Raum ein2.
Aus diesen oben beschriebenen Gegebenheiten haben wir für unsere Kinder und für uns das Konzept des offenen Kindergartens entwickelt. Es ist für uns einprägend gewesen, als wir in der Beschreibung offener Kindergartenarbeit gelesen haben, daß diese Arbeit von Freiheit und Selbstverantwortlichkeit der Kinder ausgeht. Freiheit bedeutet nicht, daß Kinder alles tun können was sie wollen (das hieße Freiheit mit Zügellosigkeit verwechseln) sondern daß sie das, was sie tun, auch wirklich wollen, daß sie sich dafür entscheiden können3.

 

III. Das Kindertagesheim im Ortsteil Oslebshausen

Oslebshausen unser Ortsteil, gehört zum Stadtteil Gröpelingen. In der Geschichte, schon 787 n.Ch. erwähnt, war Oslebshausen ein selbstständiges Dorf. 1803 gehörte es dann zu Bremen. An einigen Stelle im Ortsteil findet man noch jetzt den dörflichen Charakter. Aber durch die Nähe zum Wasser siedelten sich um die Jahrhundertwende eben auch viele und große Industriefirmen an. Die Firma Klöckner vormals Norddeutsche Hütte wurde 1911 in Betrieb genommen. Die Gröpelinger AG Weser war der zweite große Arbeitgeber in der Industrie für Oslebshausen. Aber auch die Strafanstalt , gebaut 1871-73 hat das Bild des Ortsteils wesentlich geprägt4. Hier leben und arbeiten immer noch viele Familienväter aus Oslebshausen. Das typische Straßenbild sind die Einfamilienreihenräuser in Straßen wie „An der Finkenau“, Kamerunstraße. Aber auch geschlossene Wohnquartiere wie Togostraße und Togoplatz und Oslebshauser Wurth sind gewachsene Kerne mit jetzt gut ausgestatteten, aber kleinen Wohnungen der Wohnungsgesellschaften.
Dazu ist 1977 das Demonstrativbauvorhaben Wohlers Eichen entstanden mit 270 Wohneinheiten. In Oslebshausen leben heute ca. 8900 Menschen. Davon sind ca. 1180 ausländischer Herkunft. Kinder im Alter von 3-6 gibt es 310. Im Alter von 6-12 Jahren leben hier etwa 500 Kinder.
Den Kindern im Ortsteil stehen zwei Grundschulen zur Verfügung.
Grundschule an der Oslebshauser Heerstraße
Grundschule Auf den Heuen
Die Schule für entwicklungsverzögerte Kinder nimmt Schüler aus dem gesamten Einzugsbereich von Gröpelingen auf. Diese Schule befindet sich im Oslebshauser Park. Das Kindertagesheim Auf den Hunnen und wir sind die städtischen Einrichtungen für Kinder im Ortsteil. Seit September 1995 hat die Hans Wendt Stiftung das KTH Am Kammerberg eröffnet und ab Oktober 1996 wird die Abgebotspalette durch ein Kinder und Jugendhaus auf dem Gelände der Schule „Auf den Heuen” ergänzt.
Die Sozialen Dienste bieten regelmäßige Sprechstunden im Ortsteil an der Heerstraße an.Treffpunkte für Kinder sind außerhalb der Institutionen der Spielpark mit dem Spielhaus Bexhövederstraße und natürlich das Bürgerhaus Oslebshausen, daß mit seinem Programm alle Altersgruppen anspricht.
Freie Spiel und Erlebnisflächen hat Oslebshausen nur noch wenige, die wenigen auf den Grundstücken der Institutionen gilt es zu erhalten und zu nutzen.

 

IV. Erziehungsverständnis und unsere Aufgaben

Aus vielen Beobachtungen unserer Kinder und der Beschäftigung mit den Theorien von Axel Wieland sind für unser Verständnis für Erziehung folgende Grundlagen wichtig geworden.

Das Kind ist kein Erziehungsobjekt, das sich beliebig formen läßt. Jedes Kind hat eine eigene ursprüngliche Tendenz dazu sich zu entwickeln.Es will wachsen und mit seiner Umwelt in Beziehung treten.
Das Kind sucht von sich aus Möglichkeiten, durch Wahrnehmung und Bewegung, Kommunikation und Denken, die eigenen Fähigkeiten zu erweitern um dann selbstständig und unabhängig zu werden.
Ein Kind hat den Willen und die Kraft, seine Entwicklung durch selbstbestimmte Aktivitäten und eigene Entscheidungen zu vollziehen.
Ein Kind will sich als wirksam erleben, es handelt für sich nur logisch
Ein Kind will über seine sozialen Beziehungen selbst bestimmen5

Fazit

Wir wollen das Kind als Akteur seiner Entwicklung verstehen und es darin ernst nehmen.

Unsere Ziele sind es, die Kinder zu größtmöglicher Unabhängigkeit vom Erwachsenen zu führen.
Sie sollen zu Persönlichkeiten werden, die eigenverantwortlich entscheiden und handeln lernen.
Auseinandersetzung mit den Spiel- und Freiräumen und erkennen und formulieren der Bedürfnisse.
Regeln und Absprachen sind notwendig.In unserem Kindergarten soll es wenige geben, aber klare und für die Kinder nachvollziehbare Regeln.
Wir wollen den Kindern mehr zutrauen. Wir wollen Vertrauenspädagogik und keine Mißtrauenspädagogik.
Unsere Kinder sollen selbstständig und kreativ werden und wir wollen ihre Gefühle ernst nehmen6.

Unsere Aufgaben:

Die Akzeptanz kindlicher Bedürfnisse vermittelt dem Kind, daß es so wie es ist, gut ist und es keinen Defizitzustand gibt, den es möglichst zu überwinden gilt.
Mit dieser Einstellung sind wir Mitarbeiterinnen gefordert, zu den Kindern Distanz zu wahren, um kindliche Freiräume zu ermöglichen.
Zu einer distanzierten Haltung gehört es z.B. auch das wir uns durch die Äußerung „mir ist langweilig“ nicht direkt aufgefordert fühlen, eine neue Aktivität anbieten zu müssen.
Wenn wir Kindern durch Distanz kindliche Freiräume ermöglichen, so garantiert dieses Verständnis auch Vertrauen. Vertrauen beinhaltet, daß wir Kinder auch mal unbeobachtet spielen lassen.
Zu unserer Erziehung gehört aber auch Nähe, nämlich dann, wenn ein Kind nicht mehr allein zurechtkommt. das bedeutet, wir müssen dasein, wenn Kinder Fragen haben oder sonst Unterstützung benötigen. Unsere Kinder sollen jederzeit die Sicherheit haben, daß wir da sind, wenn sie uns brauchen. Wir sind ständig bemüht, Möglichkeiten zu schaffen zum Selbstentdecken und Neues zu lernen. Wir verstehen uns als „Anreger“, „Begleiter“ und „Helfer“ in unserer Arbeit mit den Kindern. Unsere Arbeit wird von uns geplant, vor und nachbereitet; kollegialer Austausch und Absprache sind für uns das Wichtigste. Wir möchten einen guten Austausch zwischen Eltern und KTH7.

 
V. Die praktische Umsetzung

a.Die Organisation
Räume Funktion   Gruppe
Elefanten Raum für die Stille 1 Erzieherin und 1 Helferin Teilzeitgruppe
Mäuse Bauraum 1 Erzieherin Halbtagsgruppe
Eulen Höhlenspielraqum 1 Erzieherin und 1 Vorpraktikant Halbtagsgruppe
Eisbären Rollenspielraum 1 Erzieherin Teilzeitgruppe
Katzen Bastelraum 1 Erzieher 1 Berufspraktikant Teilzeitgruppe
Igel Lego, Baufix,Playmobil 1 Erzieherin Halbtagsgruppe
Teddy Farbenraum, Atelier 1 Erzieherin und 1 Berufspraktikant Ganztagsgruppe

 

Es gibt im KTH noch einen großen Bewegungsraum und ein kleines Café. Der Mitarbeiterkreis wird vervollständigt durch zwei Teilzeit Springkräfte, eine Berufspraktikantin, eine Praktikantin im Sozialen Jahr und mich als Leitung .
In diesem Kindergartenjahr bieten wir Sprachförderstunden und muttersprachliche Erziehung und Unterstützung der türkischen Kinder durch eine türkische Erzieherin an.

b.Der Tagesablauf

Wir haben den Tagesablauf zeitlich strukturiert um den Kindern und Erwachsenen eine Orientierung zu geben. Diese Zeitstruktur wird in besonderen Situationen flexibel gehandhabt.

7.00 Uhr Der Frühdienst beginnt für Kinder aller berufstätigen Eltern. Die Frühdienstkinder sind immer in Elefantenraum.
8.00 Uhr Der Kindergartentag beginnt für alle Kinder und Erzieher.Die Kinder begeben sich als erstes zu ihrer Gruppenleitung. Sie haben in ihrer Stammgruppe ihre Kindergartenutensilien, wechseln ihre Schuhe und entscheiden jetzt was sie und wo sie was machen möchten. Sie teilen dies der Erzieherin mit und drehen ihre Anwesenheitsbilder um. Die Kinder kommen mit unterschiedlichen Befindlichkeiten in nden Kindergarten und können nach Bedürfnissen die Spielbereiche wählen.
Bis
9.30
Uhr können und sollten Kinder und Erzieherinnen ihr Frühstück im Café genießen. Kinder entscheiden, wann sie und mit wem sie frühstücken gehen möchten. Im Cafe unterstützt immer eine ehrenamtliche Helferin die Kinder beim Einschenken der Getränke oder wischt den Tisch ab, oder ist Gesprächspartnerin
In dieser Vormittagszeit stehen den Kindern in allen Funktionsräumen eine Erzieherin zur Seite. Sie regt das Spiel der Kinder an, begleitet, motiviert, stellt Material bereit, hört Fragen und Sorgen an, hilft mit zu entscheiden, erörtert Konflikte, trägt zu Lösungen bei und manchmal beseitigt sie Störungen sofort. Zusätzlich zu den Gruppenräumen können die Kinder ab 8.15 Uhr die Bewegungshalle jeden Tag nutzen. Alternativ zur Bewegungshalle können die Kinder auch schon morgens im Freien spielen. Das Freispiel hat einen gehobenen Stellenwert in unserer pädagogischen Arbeit. Die Kinder erhalten den Freiraum ihr Spiel selbst zu gestalten ohne direkte Einwirkung eines Erwachsenen. (Siehe Seite 4 ) Die Räume sind so gestaltet, daß sie zum Spiel einladen und auffordern.
9.30 Uhr In dieser Zeit ist der Morgenkreis in der Stammgruppe vorgesehen. Hier werden Gruppenzusammenhänge nochmal angesprochen, es wird gefragt wer heute nicht da ist, es wird nochmal über den vergangenen Tag gesprochen und dann auf den Tag orientiert. Die Gruppenleiterin erfragt bei den Kindern ihre Wünsche und speziell die der jetzt folgenden Stunde. Sie betrachtet, erklärt, macht neugierig auf die Angebote und Aktivitäten des Vormittags.Die Kinder ordnen sich den Angebotsgruppen zu und um
10.00 Uhr gehen die Kinder in das von Ihnen gewählte Angebot. Diese Angebote sind nie willkürlich sondern sie sind geplant, haben immer ein gemeinsames Thema, berücksichtigen Entwicklungen der Kinder und deren Lebensumstände.z.B. hatten wir Themen wie: Wasser, Feuer, die Farbe Blau, "Räume".

Die Erzieherin bietet ihr Angebot an drei Tagen der Woche an.( siehe dazu Seite 9) Daraus entwickeln sich manchmal auch neue Themen, evtl auch eine Verlängerung des Angebots. Diese Angebote(Impulse)fordern die Kinder zu neuen Ideen heraus, sie motivieren zum eigenständigen Handeln, sie fördern Hilfsbereitschaft und bauen Selbstbewußtsein auf.

Ein positiver und motivierender Effekt dieser offenen Planung und Arbeitist, daß Angebote im Bedarfsfall auch mit einer günstigeren Erzieher-Kind-Relation durchgeführt werden können.

11.00 Uhr Ab jetzt ist das Spiel im Garten vorgesehen. Der große Garten bietet den Kindern vielfälltige Möglichkeiten sich zu bewegen, Räume zu erkunden, auf Berge zu steigen und vieles mehr.
12.00 Uhr Die 45 Halbtagskinder verabschieden sich von ihrer Gruppenleiterin. Alle anderen Kinder können sich von den Angeboten und Anstrengungen erholen, oder noch im Freien spielen.
12.30 Uhr Um diese Zeit gibt es Mittagessen. Dieses findet in den Stammgruppen statt.Die Kinder haben ihre Aufgaben beim Tischdienst, sie können aber auch die Essensgruppe nach Absprache Wechseln.Wir legen Wert darauf, dass das Essen in einer guten Atmosphäre stattfindet. Deshalb soll möglichst kein Kind vor 13.00 Uhr abgeholt werden.
13.00 Uhr Für die 65 Kinder, die jetzt mit ihren Erzieherinnen den Nachmittag beginnen, ist erneut das Freispiel und der Garten die interessanteste Beschäftigung. Im Sommer läuft oft die Pumpe und unser hügeliges Gelände begeistert beim Dreiradfahren und Rollerfahren. Und im Winter können wir auch gut Schlitten fahren.
14.00 Uhr Die meisten Kinder sind jetzt gegangen und es gibt noch 16 Ganztagskinder und eine Erzieherin und eine Praktikantin im Nachmittagsdienst. Weiterhin findet zu dieser Zeit auch die Sprachförderung an vier Tagen am Nachmittag statt. Die Nachmittaggruppe wird von Kindern verschiedener Gruppen besetzt und diese gestalten den Nachmittag mit der Erzieherin.
16.00Uhr Die meisten Kinder gehen jetzt nach Hause. Einige sind dann noch im Spätdienst.
Der Montag in der Woche ist der sogenannte „Gruppentag“ . Im Freispiel können die Kinder auch an diesem Tag alle Räume nutzen, ansonsten bereitet die Gruppenleiterin diesen Tag vor für ihre Gruppe. Besondere Vorhaben, wie Ausflüge und Schwimmen etc., werden von der Erzieherin geplant, auch liegt die Elternarbeit und Elterngespräche in ihren Händen.
Am Freitag singen wir um 11.30 Uhr gemeinsam gelernte Lieder der Woche in unserer Halle und dike Geburtstagskinder der Woche bekommen ihr Geburtstagslied gesungen.

c.) Unsere Besprechungen und Entscheidungsprozesse

Alle 14 Tage finden wir uns zu Mitarbeiterbesprechungen zusammen. Einmal dauert sie 4 Stunden und dann nach 2 Wochen nur 2 Sunden. In diesen Runden wird über alle aktuellen Termine besprochen, aber auch unser veränderter Arbeitsansatz ist immer wieder Thema dieser Sitzungen. Deshalb werden hier auch Rahmenthemen und Projekte geplant und konkretisiert. Fallbesprechungen und Diskussionen mit anderen Institutionen sind zusätzliche Themen. Die Angebote der Woche werden am Montag mit allen Erzieherinnen in einer kurzen Gesprächsrunde vorgestellt und notiert. Die Entscheidungsprozesse im Mitarbeiterkreis werden Teamorientiert, an der Arbeit ausgerichtet und den Kindern zugewandt getroffen bis wir einen Minimalkonsens gefunden haben.

Unser Dialogkreis:

Praxisproblem

Informationsgewinnung

Diskurs aller Beteiligten

Handeln


Der offene Kindergarten Am Nonnenberg hat sich für dieses Konzept nach Wieland und Regel entschieden und dies impliziert auch das offene Umgehen mit Problemen und Befindlichkeiten.
Auch wird die Vorbereitungszeit der Erzieherinnen gemeinsam gestaltet.
d. ) Elternkontakte und Perspektiven

Unser städtisches Kindertagesheim existiert 40 Jahre im Stadtteil. Mehrere Mitarbeiterinnen arbeiten über 20 Jahre im Haus. Es gibt gewachsene Kontakte und enge Verbindungen.

Unsere Elterngremien arbeiten für die Bedarfe der Kinder und des Hauses im Stadtteil.
Eltern nutzen das Kindertagesheim als Treffpunkt und es ergeben sich oft neue Familienbeziehungen. Sie kommen gerne zum Klönschnack und zu Festen.
Das Kindergartengelände lädt ein am Nachmittag nochmal mit den Kindern vorbeizukommen.
Der Ausblick für kommende Zeiten wäre für uns über veränderte Öffnungszeiten an Donnerstagen und Samstagen nachzudenken.
Eltern formulieren sehr deutlich, daß sie den Ort Kindergarten als Erlebnisort für ihrer Kinder sehr akzeptieren.
Um das Kindertagesheim weiter als Mittelpunkt des sozialen Miteinanders zu verstehen, könnte ich mir vorstellen, genauso wie wir den Maßstab für unsere Kinder ansetzen Akteur des eigenen Handelns zu sein, daß Eltern ebenfalls ihren Stadtteil so erleben und gestalten.

Schritte dazu könnten sein:

Kennenlernen des Stadtteils mit den Kindern und Eltern
Kooperation mit dem übrigen Netz der sozialen Versorgung
Kindertagesheime als Ausgangspunkt für raumverändernde Aktionen

Ausgehend davon,daß viele Erzieherinnen, aber auch Eltern und Kinder den Stadtteil, in dem sie leben und arbeiten, nicht sonderlich gut kennen, ist es sinnvoll, aus der Einrichtung heraus Schritte zu tun, um den Stadtteil zu erkunden.
Die Kooperation mit dem übrigen Netz der sozialen Versorgung ist eine Möglichkeit, die Lebenssituationen von Kindern und deren Familien als ganzheitliche in den Blick zu bekommen und die Betroffenen nicht einem Heer von Spezialisten auszuliefern.
Kindertagesheime können Ausgangspunkt für Lebensveränderungen sein oder Veränderungsanregungen für andere können von ihnen ausgehen.. Ein Kindertagesheim, das sich begreift als „Kommunikationsort für Themen die Kinder angehen, aber auch für viele andere Themen und Bereiche des Stadtteillebens, kann Informationen über Mängellagen an andere weitergeben, kann sich einmischen in Stadtteilplanungen, in Nachbesserungsprojekte, in Gesundheitsprävention, in die Spielfächengestaltung, kann präsent sein auf Stadtteilfesten, Beiratssitzungen, Diskussionsveranstaltungen von PolitikerInnen9 etc.
Diese Form der Elternarbeit wird bei uns im KTH noch perspektivisch erarbeitet. Nach der Umstellung der pädagogischen Arbeit mit den Kindern ist die Elternarbeit der nächste Schritt der eine Veränderung mit sich bringen wird. Wir gestalteten zwei Fachtage zum Thema Elternarbeit und darau hat sich im Kindergartenjahr 1999/2000 ein Elterncafe etabliert. Wöchentlich einmal treffen sich morgens Eltern zum Kaffeetrinken. An den islamischen Festen sind unsere türkischen Mütter sehr aktiv um alle Kinder des Kindergartens mit leckeren Speisen zu versorgen.

Außerdem haben wir zum Kindergartenjahr 2000/2001 die Elternmitwirkung auf andere Grundlagen gestellt. Es wurden nicht mehr, wie früher, zwei Elternsprecher pro Gruppe gesucht, sondern auf einem gemeinsamen Elternabend, zu Beginn des Kindergartenjahres, konnten alle interessierten Eltern Mitglied im Elternbeirat.

 
VI. Ausblicke

Wir möchten unsere Arbeit konsolidieren und dabei ständig unser Handeln und weitere Ideen reflektieren und gegebenenfalls verändern. Wir haben in der Zeit der Entwicklung so viel positive Resonanz bekommen, daß wir glauben, auf dem richtigen Weg zu sein. Die Reaktionen und das Verhalten der Kinder, nach unserer Veränderung, bekräftigen unsere Arbeit. Wir dürfen bei all unserer Zufriedenheit in der Arbeit die Rahmenbedingungen nicht außer acht lassen und weiter unsere Kraft auch dafür nutzen um uns für die Belange der Kinder einzusetzen. Die schlechter werdenden Bedingungen zwingen uns dazu kreativer zu werden, auf Entwicklungen von Kindern zu reagieren, d.h. auch Ressourcen zu bündeln und entsprechend der Qualitätsstandards zu diskutieren und zu arbeiten. Die Qualitätsdiskussion haben wir in einer Fortbildung am 26. und 27. März 2001 mit den Fachberaterinnen Frau M.Gschwind und Frau E.Klug im Kindertagesheim Am Nonnenberg durchgeführt.

VII. Chronologie des " Offenen Kindergartens" Am Nonnenberg
1993
  • Zusammenlegung zweier Gruppen nach den Sommerferien
  • Heimleiterin besucht einen Vortrag von Axel Wieland über offene Arbeit in Kindertagesstätten am 8.9.1993
1994
  • Im Februar findet eine Reflektion zur Arbeit in Mischgruppen mit allen Pädagogen und der Fachberaterin statt
  • am 6.7.8. Juni nehmen neun MitarbeiterInnen an einer Foertbildung zur offenen Arbeit teil
  • am 27.6. findet im Kindertagesheim ein Fachtag zum Thema " Wasser" mit dem Gesundheitstreff Gröpelingen statt
  • nach den Sommerferien wird eine gemeinsame Bauecke für alle Kinder des Hauses eingerichtet als 1.Maßnahme der Öffnung
  • nach den Herbstferien gibt es ein Frühstückscafe mit 20 Plätzen eine Ferienzeit später wird es mit Elternhilfe renoviert
  • ab September bieten zwei Kolleginnen in der Freispielzeit offene Angebote im Bereich Bewegung und "Stille Stunde" an
  • auf allen Elternabenden im Herbst werden die Eltern über die OFFENE Arbeit und über Veränderungen informiert
  • im Oktober sehen sich alle Mitarbeiterinnen den Film "Das Schwinden der Sinne" an.
1995
  • Am 16.2.95 findet ein Gesamtelternabend zu veränderten Arbeit statt. Von hundert Eltern nahmen sechzig teil.
  • Anfang des Jahres boten wir allen Kinder die Möglichkeit, in der Freispielzeit an einem Tag der Woche in andere Räume zu gehen.Ziemlich schnell wurde aus einem Tag die ganze Woche.
  • nach den Osterferien findet außer dem Freispiel auch an vier Tagen der Woche ein offenes Angebot für alle Kinder statt.
  • ein Tag der Woche ist der Gruppentag
  • die Pädagogen entscheiden nach ihren Neigungen, welches Angebot sie machen
  • im Mai wird im Garten eine Pumpe geschlagen
  • vom 26.6.-30.6.95 findet eine Wasserprojektwoche im Kindertagesheim statt.
  • am 16.8. und 17.8. nehmen die MitarbeiterInnen an einer Fortbildung "Stille Stunde" teil.
  • Nach den Sommerferien beginnt eine neue Gruppe am Nachmittag
  • diese Gruppe ist noch nicht am offenen Freispiel und den Angeboten beteiligt.
  • Einbeziehung der Eltern in den Veränderungsprozess. Zur Einführung neuer Eltern in die andere Arbeit soll es zu Beginn eines jeden Kindergartenjahres einen Gesamtelternabend geben.
  • im Herbst wird die gemeinsame Bauecke aufgelöst da die Fläche benötigt wird für den Einbau einer neuen Heizung. Nach Fertigstellung wird dieser Platz unter der Treppe zum erweiterten Frühstückscafe.
1996
  • Im Januar wird über die Auflösung der herkömmlichen Gruppenräume diskutiert
  • Es sollen Funktionsräume entstehen. Die Diskussionsergebnisse für folgende Räume sind : Bauraum, Pollenspielraum, Kreativraum, Ruheraum, Tischspieleraum, Halle, Hort (wird ab August Wahrnehmungsraum).
  • Im Februar gibt es viele Gespräche zur Umgestaltung der Räume, aber auch zu Ängsten der KollegInnen. Die Fachberaterin begleitet weiterhin den Prozess.Es entsteht eine sogenannte "Angebotsscheibe". Die Kolleginnen erarbeitet die Angebote für die Kinder nicht mehr nach Neigungen sondern nach Fachgebieten.
31.5.-3.6.1996
  • Das Kindertagesheim wird umgebaut. Aus herkömmlichen Gruppenräumen werden Funktionsräume.
  • Ab August gibt es keine Hortgruppe mehr. Die Nachmittagsgruppe wird zur Vormittagsgruppe. Für ein Wohnquartier nehmen wir aber noch kleine Hortkinder in die Kindergartengruppen auf. Wir sprechen ab jetzt von einer großen Altersmischung in den Kindergartengruppen.
  • Im September 1996 liegt das Konzept schriftlich vor.
  • Im Herbst wird das Projekt "Herbst" durchgeführt und zum Abschluss findet ein Kartoffelfest statt
1997
  • An zwei Ferintagen der Sommerferien findet eine Fortbildung statt zur Elternarbeit in der Offenen Arbeit. Schwerpunkt dieser Fortbildung sind neue Sichtweisen zu Familienkonstellationen und Sichtweisen unserer Eltern.
  • Ein Experimentierraum entsteht und ein neuer Ruheraum wird gebaut.
  • Am 19.9.97 feiern wir das 40.Jubiläum der Kindertagesstätte.
  • Viele städt. Kindergärten besuchen uns um über das Konzept informiert zu sein. Die Fachschulen aus Bremen sind seitdem auch Gast in unserem Haus.
1998
  • Die Kolleginnen tauschen erneut ihre Räume und damit die Funktionen.
  • Am 3.und 4. 9. 1998 beschäftigen wir uns auf den Planungstagen mit der Vorbereitung des Projekts "Licht und Schatten".
Wir möchten zum Abschluß folgenden danken:
Axel Wieland/ Gerd Regel
den Kindergärten in Bremerhaven
Karin Gutschmidt, Fortbildnerin
Eva Klug, Fachberaterin
Marita Gschwind, Fachberaterin
Verantwortlich für die Schrift:
Regina Jeschke, Leiterin
Bremen, April 2001